Team MH Racing Endurides

Am 20./21.10.2018 erwarteten mich gleich zwei Premieren. Ich startete zum ersten Mal unter der Flagge meines neuen Teams MH Racing Endurides. Und ich war zum ersten Mal beim Getzenrodeo im Erzgebirge am Start. Dies ist wohl das bekannteste und größte deutsche Hard Enduro Rennen. 

Ich hatte im Vorfeld schon viele abenteuerliche Geschichten über die Herausforderungen bei diesem Rennen gehört. Bei der Streckenbesichtigung am Samstag musste ich allerdings feststellen, dass es sich hierbei keineswegs um Gerüchte oder Übertreibungen gehandelt hat. Die Streckenbauer haben sich alle Mühe gegeben, wirklich extrem steile Auf- und Abfahrten, technisch schwierige Passagen und kräftezehrende Felsstufen zum vermutlich spektakulärsten Hard Enduro Kurs zu kombinieren, den es in Deutschland je gegeben hat. Ich erhaschte einige fragende und nervöse Blicke bei einigen Fahrerkollegen angesichts der unpassierbar erscheinenden Hindernisse. Ich versuchte, gelassen zu bleiben. Ich hatte mich soweit es mir möglich war vorbereitet und mit hohen Felskanten oder fast senkrechten Abfahrten habe ich keine Probleme.

Zuerst richteten wir unsere Team-Basis ein. Als das Bike die technische Abnahme passiert hatte, ging es zur Pressekonferenz mit anschließender Autogrammstunde. Der Andrang der Fans und die Stimmung war überwältigend. Um den Zeitplan einzuhalten, mussten wir von den Security-Mitarbeitern hinten aus dem Zelt geleitet werden - während immer weitere Massen das Zelt stürmten. Das war ein tolles Erlebnis und die Zahl der Zuschauer auch beim Training ließ uns erahnen, was sich am Sonntag an der Strecke abspielen würde.

Bei der Fahrerpräsentation am Abend fuhren wir nacheinander zuerst auf die Bühne und dann auf einem schmal abgesperrten Korridor mitten durch das Zelt und die Zuschauer. Nach diesem ekstatischen Höhepunkt hieß es für alle Team-Mitglieder "ab ins Bett", denn der Tag war lang und der folgende Tag würde dem in nichts nachstehen.

Am Sonntag reihten sich dann 54 Fahrer in einer Linie auf einer Wiese auf. In unserer Mitte stand eine riesige alte Kanone, die mit donnerndem Knall den Start frei gab. Ich stand direkt links davon auf Startplatz 26 - eine gute Ausgangsposition. Ich kam gut weg und fand im anschließenden Wäldchen auch eine gute Linie durch das Baumgewirr. Nach der ersten Zeitnahme lag ich auf Platz 6. Mein Ziel war, unter den ersten 12 Fahrern dieses Getzen-Race zu beenden und mich damit für das anschließende Champ Race zu qualifizieren. Nach dem guten Start fand ich aber nicht so richtig in meinen Rhythmus. Einige kleine Unachtsamkeiten führten zu unnötigen Stürzen, die mich einige Plätze kosteten und auch Schäden am Motorrad verursachten. Ein kurzer Boxenstopp - und das Team hatte alles wieder so weit gerichtet, dass ich weiter fahren konnte. Als 11. Fahrer erreichte ich das Ziel und war mit diesem Ergebnis zufrieden. 

Nun legten sich die Routiniers im Team ins Zeug. In Rekordzeit wurde das Bike gewaschen, gecheckt, alle Schäden behoben. Blitzblank stand die Husky für das Champ-Race parat. Ich wusste, dass die Top-Fahrer wie Graham Jarvis, Alfredo Gomez, Manuel Lettenbichler, Taddy Blaszusiak, Mario Roman, Wade Young und andere an diesem Tag in einer anderen Liga fahren würden. Aber mein Ziel war es, das Rennen mit Spaß zu Ende zu fahren, den Zuschauern eine tolle Show zu bieten und vor allem mich nicht zu verletzen.

Angetrieben von Tausenden schreiender Fans ging es los, den ersten super schweren Hang hinauf und ab auf die Strecke. Die Streckenführung lief genau entgegengesetzt zum Getzen-Race. So war der Schwierigkeitsgrad noch einmal extrem erhöht und die Strecke sehr technisch. An einigen heftigen Passagen wählte ich die sicherere, aber langsamere Variante, an anderen Stellen konnte ich meine Techniken und Skills ausspielen und unter donnerndem Applaus einige gute Aktionen zeigen. Am Ende reichte es sogar für Platz 10.

Alles in allem war es ein Wochenende der Superlative. Die Team-Premiere ist bestens geglückt, die Stimmung war super und die Organisation fehlerfrei. Trotz der sehr knappen Vorbereitungszeit fühlte ich mich auf der MH Racing Endurides Husqvarna pudelwohl und konnte den Fans eine gute Show bieten. Ich bin überglücklich, wie sich die Dinge jetzt entwickeln und kann es kaum abwarten, mich auf die Indoor-Hallensaison und die SuperEnduro Weltmeisterschaft vorzubereiten.

 

  

   

Fotos: Fabian Kienle

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